Ichbewußtsein und Sinn

Google benutzt Algorithmen, um Inhalte von Büchern und Veröffentlichungen zu scannen, die über mehrere Jahrzehnte alt sind. Ein bis 5 Wörter eingegeben, erhält man Ergebnisse, welche Wörter über die Zeit mehr oder weniger verwendet wurden. In den letzten Jahrzehnten haben Wörter wie „Ich“ und Aussagen, wie „ich schaffe das“, „ich stehe im Vordergrund“ stark zugenommen.

Der Gebrauch sozialer Wörter wie „Gemeinschaft“, „teilen“ und „Gemeinwohl“ hat deutlich nachgelassen. „Charakter“, „Tugend“ oder gar „Gewissen, „Tapferkeit“ und „Dankbarkeit“ sind von 1979 bis 2015 um 49% zurückgegangen.

In einer jüngsten Befragung an amerikanischen Studenten an dem Campus in L.A., welchem moralischen Dilemma sie die letzten Monate begegnet seien, können 2/3 der Befragten keine Angaben machen oder welche der Preisklasse: “ich stand an der Parkuhr und hatte keine passenden Münzen“.

Ebenso konnten über 90% von in Europa befragten leitenden Akademikern 2014 fokussierte Antworten geben, wie sie ihre beruflichen Herausforderungen erledigen, nur 15% konnten stimmig vermitteln, warum!

Charakter wurde nicht mit Wörtern beschrieben, die dem westlichen Erfolg eher nicht zuträglich sind, wie Selbstlosigkeit, Großzügigkeit, Aufopferungsbereitschaft. Für Persönlichkeit wird gehalten, wenn jemand Selbstkontrolle, Resilienz oder Beharrlichkeit aufweist, also Eigenschaften, die gesellschaftlichen Erfolg fördern.

Wenn wir von unserem Charakter reden und denken, was meinen wir damit?

Sind wir die Guten, und sind es unsere Begabungen oder die Resultate unserer Disziplinierungen, die uns gut handeln lassen?

Welche Charakterzüge machen uns stolz?

Welche meiner Schwächen habe ich dieses Jahr gezügelt und unterbunden?

Welche Geschichten kursieren über mich  oder werden von mir über mich am Leben gehalten, die nicht wahrhaftig sind?

Welche Ideen über mein Selbst und dessen Leistungen wären es wert, in meiner Trauerrede an meinem offenen Grab erwähnt zu werden, welche nicht?

Inwiefern ist mein Tun selbst-los und ein Nutzen für die Welt? Für welchen Wert bin ich beispielhaft? Wem bin ich gerne ein Vorbild? Wie zeitüberdauernd konsequent?

Welchem moralischen Dilemma bin ich dieses Jahr begegnet und welchen Umgang damit habe ich gefunden?

Für was stehe ich mutig ein und warum verberge ich mich manchmal hinter dem „Man“ und dem „Wir“?

Was habe ich getan, um meinen Nächsten zu lieben, ohne an mich zu denken? Und habe ich ihn mir ausgewählt oder durfte ich ihm begegnen?

Wenn ich noch einmal geboren würde, welche Charakterzüge hätte ich gerne beibehalten?

nachdenkliche Minuten

euer Horst

November 27, 2017

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